Projektergebnisse

Workshop beim Deutschen Jugendhilfetag im Fachforum „Digitale Medien in den Hilfen zur Erziehung: Herausforderungen und Praktiken“

„Lebenswelten junger Menschen sind Medienwelten – soziale Teilhabe ist nicht ohne digitale Teilhabe möglich.“

Damit einhergehende Chancen und Herausforderungen für Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung wurden im Fachforum am 20. Mai entlang dreier Forschungsprojekte – darunter DigiPäd 24/7 – dargestellt und diskutiert

Digitale Medien sind ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Alltags von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Bereits 84 % der 12-13-Jährigen verfügt über ein Smartphone. Bei den 18- und 19-Jährigen sind es nahezu 100 % (JIM-Studie 2019, S. 9). Die jungen Menschen haben darüber Zugang zum Internet und verbringen damit im Durchschnitt mehr als drei Stunden am Tag (ebd., S. 24). Digitale Medien sind Mittel der Vernetzung, des Kontakthaltens mit Freund*innen und Familien, der Freizeitgestaltung und der Information. Ohne digitale Medien ist soziale Teilhabe inzwischen schwer vorstellbar. Dies gilt selbstverständlich auch für die Adressat*innen von Einrichtungen der erzieherischen Hilfen. Digitale Medien werden aber auch mit negativen Aspekten in Verbindung gebracht. Sie können z. B. Grund für die Verschuldung von Jugendlichen sein, ihre Nutzung hat Suchtpotenzial und kann Instrument des Mobbings und der missbräuchlichen Annäherung an jungen Menschen sein. Fachkräfte in Einrichtungen der Erziehungshilfe stehen vor der Herausforderung, soziale Teilhabe zu ermöglichen und gleichzeitig die Adressat*innen vor möglichen negativen Aspekten der Nutzung digitaler Medien zu schützen.

Das Fachforum verfolgt das Ziel, Herausforderungen im Umgang mit digitalen Medien in den stationären Hilfen zur Erziehung zu beschreiben und mit dem Publikum zu diskutieren. Dazu sind drei Inputs geplant. Zwei Inputs beziehen sich auf quantitative Studien zu dem pädagogischen Umgang mit digitalen Medien im Alltag der Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach der Ausstattung mit digitalen Medien, Software und die dafür notwendige technische Infrastruktur, Fragen des pädagogischen Umgangs mit digitalen Medien (inkl. Wege der Einschränkung der Nutzung) sowie Fragen der Einstellung von Fachkräften in den Einrichtungen gegenüber der Nutzung digitaler Medien. Beide Studien haben teilweise das gleiche Instrument benutzt und unterscheiden sich in ihren nationalen Bezügen. Während die MEKiS-Studie Mitarbeitende in 125 Einrichtungen in der Schweiz online befragt hat, bezieht sich die repräsentative Erhebung des DJI auf Einrichtungen in allen Bundesländern Deutschlands (n=470). Ihre Zusammenschau ermöglicht einerseits einen Vergleich der Praxen zweier europäischer Länder mit ähnlichen Ausgangsbedingungen. Andererseits ermöglichen die Studiendesigns unterschiedliche Schwerpunkte und Einordnungen der Befunde. In der MEKiS-Studie werden etwa auch Haltungen und Kompetenzen von Fachkräften in den Blick genommen. Die DJI-Studie erlaubt eine Differenzierung der Befunde zur Digitalisierung entlang verschiedener struktureller Dimensionen und Aspekte der pädagogischen Ausrichtungen der befragten Einrichtungen.
Der dritte Input erfolgt durch das Projekt „DigiPäd 24/7“, das in einer Kooperation der Universität Hildesheim und der Technischen Hochschule Köln realisiert wird (www.digipaed24-7.de). Dieses Projekt verfolgt mit einem qualitativen Zugang das Ziel, die durch die Digitalisierung gewandelten Bedingungen für gesellschaftliche Teilhabe und Bildung in Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung und in Internaten zu untersuchen. Zudem werden die organisationalen und medienpädagogischen Anforderungen an eine Implementierung von Medienbildung in diesen Einrichtungen in den Blick genommen. Hierzu wurden unter anderem Interviews mit jungen Menschen und Fachkräften, Medientagebücher sowie eine Dokumentenanalyse realisiert. Dieser Input ermöglicht einen vertiefenden Blick auf die Praxis des Umgangs mit digitalen Medien in Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung, deren Hintergründe und weitergehende bildungs- und teilhabebezogene Implikationen.

Referierende:

Olivier Steiner, Fachhochschule Nord-Westschweiz
Andreas Mairhofer, Deutsches Jugendinstitut e. V.
André Weßel, TH Köln

Moderation:

Eric van Santen, Deutsches Jugendinstitut e. V.
Tanja Rusack, Universität Hildesheim

Quelle: https://www.jugendhilfetag.de/veranstaltungen/event/digitale-medien-in-den-hilfen-zur-erziehung-herausforderungen-und-praktiken